Mellanie hat geschrieben:
Tja, da haben die Hohen Herren in der Politik sich ja was schönes einfallen lassen.
6 Monate Wehrdienst ab 2011
http://www.n-tv.de/politik/Sechs-Monate ... 59151.htmlDas bedeutet gleichzeitig auch 6 Monate Zivildienst. Was wiederum heißt, dass keine Soziale Einrichtung mehr ab 2011 einen Zivildienstleistenden mehr haben wird. Kurz die Kosten im Sozialen System werden gewaltig steigen. Sollen die alten Menschen doch im Altenheim nicht in drei Minuten Ihre Mahlzeit zu sich nehmen sondern halt in 1 Minute.
Und die Aussage von Herrn Tobiassen dass der Zivildienst ungestört weiterginge ist vollkommener Unfug. Das ist eine Aussage von Jemanden der den Zivildienst schon immer abschaffen wollte, aber keine Ahnung von der Praxis hat.
Da geht es dahin mit unserem Sozialstaat. Aber bei einer FDP Regierung war das auch nicht anders zu erwarten.
Aber was soll es, muss ich halt genug verdienen, damit ich zu den Reichen im Land gehöre. Denn die armen in unserem Land haben in Zukunft nichts mehr zu lachen.
Meinen Gruß
Vielleicht liest du, bevor du die Aussagen des geschätzten Kollegen Tobiassen als Unfug bezeichnest, erstmal seine ausführlichen Pressemitteilungen:
Der Wegfall des Zivildienstes muss nicht schrecken;
Dienstzeitverkürzung auf sechs Monate ist Unsinn - Wegfall der Wehrpflicht jetzt!;
Hintergrund: Auswirkungen der Dienstzeitverkürzung im Sozialbereich.
Herr Tobiassen hat übrigens eine ganze Menge Praxiserfahrung, er war selbst Zivildienstleistender und im Vorstand der Selbstorganisation der Zivildienstleistenden aktiv, betreibt außerdem seit Jahren Beratung für Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistende. Näher dran an der Praxis geht im Prinzip gar nicht. Selbstverständlich wollte Herr Tobiassen den Zivil- wie auch den Kriegsdienst schon immer abschaffen; das ist auch das einzig Richtige.
Eine Gesellschaft, deren Sozialsystem auf der Ausbeutung ihrer jungen Männer basiert würde ich als reichlich verkommen und arm dran bezeichnen.
Dass die Sozialeinrichtungen an akuter Finanznot leiden, liegt schlicht an Profitgier und mangelnder staatlicher Finanzierung. Altersheime, Behindertenwerkstätten, Krankenhäuser etc. sind Teil der Daseinsvorsorge und gehören daher nicht in die Hand von Gewinnorientierten AGen und GenmbH. Auch wenn die Träger gemeinnützige Organisationen sind, sind diese gezwungen, kostendeckend zu arbeiten, weil der Staat sich, wie in vielen Bereichen, für deren Finanzierung er eigentlich zuständig wäre, immer mehr zurückzieht (Daseinsvorsorge ist eigentlich eine der Hauptaufgaben eines Staates, aber irgendwie müssen die Milliarden für "notleidende Banken" ja finanziert werden, also am besten direkt auf die Leute in den Altersheimen scheißen und Ja zum sozialverträglichen Frühableben sagen).
Ein Punkt, an dem der Staat viel tun kann, ist die Förderung von Freiwilligendiensten wie dem FSJ. Auch vom menschlichen Standpunkt her ist das viel sinnvoller, weil Freiwillige typischerweise eine höhere Motivation haben, als dies bei Leuten, die - wie Zivildienstleistende - zwangsweise irgendwo arbeiten, der Fall ist. Insofern hat Ulrich Schneider (Leiter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes) neben den Krokodilstränen, die er im Interview im aktuellen Spiegel (Nr. 44/2009, S. 21) über das Ende des Zivildienstes vergießt, wenigstens damit recht, dass das FSJ ausgebaut werden muss, um die durch den Wegfall vieler Zivildienstleistender entstehende Lücke zu schließen. Hier ist es grundfalsch, wenn der Staat sich zurückzieht (beim ADiA sieht das etwas anders aus, für Entwicklungshilfe werden sowieso unnötige Mengen von Kohle verschleudert, die an Länder wie Indien oder China oder in die Taschen irgendwelcher Diktatoren in Schwarzafrika fließt).
Im Übrigen ist diese Diskussion um den Zivildienst müßig. Der Zivildienst ist nur ein Ersatz für den Wehrdienst, er steht und fällt mit diesem. Das bedeutet, dass die argumentative Grundlage für den Erhalt des Zivildienstes immer nur diejenige für den Erhalt des Wehrdienstes sein kann. Das Argument lautet also nicht, der Zivildienst müsse erhalten bleiben, um das Sozialsystem nicht zu gefährden, sondern das Argument lautet, dass der Zivildienst erhalten bleiben müsse, weil der Wehrdienst sich bewährt habe und der Bundeswehr die Rekrutierung von Zeit- und Berufssoldaten erleichterte.
Kleiner Nachtrag: Wo du schon den Abgesang auf den Sozialstaat anstimmst; gerade die linken Parteien fordern schon wesentlich länger als Westerwelle und Co. die Abschaffung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes bzw. im Falle der SPD eine "freiwillige Wehrpflicht", bei der zu Wehr- und Zivildienst nur diejenigen einberufen werden, die auch tatsächlich dienen wollen (etwas merkwürdige Vorstellung, die sich wahrscheinlich nicht durchsetzen würde).